Am Sockel von Barbarossas „Thron“ gekratzt

Stephan Pauly referierte beim „Turmgespräch im Schloss“ des Denkmalvereins

von Matthias Röcke 

 

Sinzig 16.April  2009

Stephan Pauly
Foto:  © 2009 Hildegard Ginzler,Sinzig
 

Turmgespräch im Schloss – diese neue Angebot des Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig hatte Referent Stephan Pauly wörtlich genommen und das Publikum im Sinziger Schloss in Frage und Antwort lebhaft eingebunden. Mehr als 50 Mitglieder und Gäste hatte das durchaus provokant formulierte Thema „Kaiser Barbarossa- eine Lichtgestalt?“ angelockt. Sie befassten sich intensiv mit Informationen und Thesen, vom Referenten komprimiert und packend präsentiert.

Kaiser Friedrich I. von Staufen (1122 – 1190), seines roten Bartes wegen „Barbarossa“ genannt, hatte auch von Sinzig aus regiert, einer von vielen  Pfalzen im zwölften Jahrhundert. Zu jener Zeit  war der Regent  permanent von Pfalz zu Pfalz unterwegs, um so seine Macht abzusichern. Wie wichtig war dabei Sinzig? Stephan Pauly wusste zu hohe Erwartungen in diesem Punkt gleich zu enttäuschen: Viermal war der Kaiser in Sinzig, meist nur kurz und insgesamt nicht mehr als zehn Tage. Warum wird er dann in Sinzig, der „Barbarossastadt“, so verehrt? Das liegt am heute noch nachwirkenden Geschichtsverständnis  des 19. Jahrhunderts, als man gerne Parallelen zog zwischen Barbarossa und Kaiser Wilhelm I. und der von ihm vollzogenen Gründung des zweiten deutschen Kaiserreiches  1871. Weil der aktuelle Kaiser glänzend dastehen sollte, musste Babarossa Glanz liefern. Außerdem passte es in die damals dominierende protestantische Geschichtschreibung, einen Gegner des Papsttums zu überhöhen.

Bei genauer Betrachtung konnte Barbarossa den Glanz gar nicht beisteuern, wie Pauly, der sich in seinem Studium intensiv mit dem Thema befasst hatte, dem Publikum erläuterte. Barbarossa war nämlich in vielen Punkten kein feiner Mensch, vielmehr fiel  er bei seinen gegen das Papsttum gerichteten  Feldzügen in Italien durch eklatante Grausamkeit auf. Details ersparte der Referent seiner Zuhörerschaft weitgehend, die Tatsache aber, dass die Quellen sehr detailliert darüber berichten, lassen den Schluss zu,  dass das Vorgehen Barbarossas  auch für seine Zeit aus dem Rahmen fiel.

Es ging dem Referenten an diesem Abend darum, „ein Stück weit am Sockel zu kratzen“, auf den überhöhten Mythos zu Barbarossa aus dem 19. Jahrhundert hinzuweisen. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch die wertvolle Barbarossa-Statue in Sinzig, angefertigt vom Bildhauers Wilhelm Albermann für das Ehepaar Bunge, den seinerzeitigen Schlossherrn. Der Machtkampf mit dem Papsttum ging für Barbarossa böse aus.  Als schließlich Unterlegener hatte er sich Papst Alexander III. öffentlich und unter extrem demütigenden Umständen  – das Mittelalter war die Epoche von Symbolik zu Rang, Macht und Ansehen – zu unterwerfen.  Den Kreuzzug, bei dem der Kaiser 1190 unter nicht klar überlieferten Umständen starb, hatte er unternommen, als er politisch bereits stark geschwächt war. In der Innenpolitik wirkte er dagegen durchaus erfolgreich. Pauly: „Er war nicht nur Despot“.

Was Barbarossa nun für Sinzig bedeutet, solle jeder für sich entscheiden, riet Vorsitzender Dr. Günther Schell in seinen Dankesworten an Stephan Pauly dem Publikum, das an diesem Abend bislang wenig bekannte Einblicke in die Geschichte erhalten hatte.

Die nächste Veranstaltung des Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums ist am 18. Juni eine Exkursion mit Winfried Vogel zu der keltischen Höhensiedlung bei Bad Breisig.  Am 17. Mai lädt das Heimatmuseum Sinzig zum Internationalen Museumstag ein.