Ein fast vergessenes technisches Denkmal

Sinziger Verein für Denkmalpflege besichtigte
die Kohlensäureverflüssigungsanlage in Bad Bodendorf

am 14.04.2007

 

Ein nahezu unbekanntes technisches Denkmal im Sinziger Stadtgebiet hatte der Verein zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums für seine erste Besichtigungsfahrt in diesem Jahr als Ziel gewählt: die Kohlensäureverflüssigungsanlage im ehemaligen Kurmittelhaus in Bad Bodendorf. Hier steht eine komplette und im Prinzip jederzeit aktivierbare Anlage aus dem Jahre 1919, die vergangene Ingenieurskunst gewissermaßen zum Anfassen dokumentiert. Vereinsmitglied Eckhard Hoffmann bemüht sich schon seit 30 Jahren um den Erhalt der in Deutschland einmaligen Maschine. Er hatte auch die Führung für die aus 25 Teilnehmern bestehende Gruppe übernommen und wurde dabei unterstützt von Marcel Bolz. 

 

Für die Verflüssigung muss zunächst das im Quellwasser gelöste Kohlendioxid aus diesem abgeschieden werden. Dies geschieht in einem speziellen mechanischen Abscheider: Das Gas perlt aus dem Quellwasser, wird durch einen Kompressor abgesaugt und verdichtet. Nach zwei weiteren Verdichtungsstufen mit jeweiliger Zwischenkühlung hat das Gas den Zustand erreicht, bei dem es kondensiert und flüssig und somit verwendbar wird. Verwendung findet es  in der Getränkeaufbereitung oder im Heilbad. Die Bodendorfer Anlage ist bis ins Detail erhalten und generell in einem guten Zustand. Kessel, Kühlleitungen und Kompressionseinheiten, dazu große Transmissionsriemen samt Antrieb zur Kraftübertragung bis hin zur Waage zum Abfüllen des Kohlendioxids in Gasflaschen sind installiert, als wäre alles erst gestern ausgeschaltet worden. 

 

Nach ersten und im Ergebnis erfolglosen Bohrungen bis in eine Tiefe von 93 Metern durch den damaligen Grundstückseigentümer und Bodendorfer Gemeindevorsteher Josef Hardt um das Jahr 1900 erfolgte 1919 der Bau von Halle und Maschine. Inzwischen waren die Bodendorfer Heilquellen erschlossen. Bis 1967 blieb die Kohlensäureanlage in Betrieb, zuletzt betreut vom in Bad Bodendorf gut bekannten Josef Kram. Nach einem Besitzerwechsel wurde der Betrieb eingestellt. Heute gehören Haus und Maschine der Familie Spitzley-Cherif vom Seniorenzentrum Haus Maranatha.
Eckhard Hoffmann vor der Kühlanlage Einblicke in die Maschinerie
© 2007 Matthias Röcke, Friedrich Rick